Dienstag, 6. Juni 2006

Eine Blitzschutzanlage ist zu teuer?


Vorige Woche war ich wieder einmal für faircheck als Gutachter für Blitzschäden unterwegs.
In Freital mußte ich einen lupenreinen Direkteinschlag besichtigen. Der war wirklich richtig klassisch. Das Mehrfamilienhaus mit einem Büro im Erdgeschoss hat keine Blitzschutzanlage. Der Blitz mußte sich also seinen „eigenen“ Weg suchen.
Eingeschlagen hat er dann in der metallenen Ausstiegsleiter für den Schornsteinfeger. Um die Leiter herum war ein große Einschlagsfläche zu besichtigen. Gebrannt hat es aber glücklicherweise nicht. Der Blitz hatte den Weg durch das Stromnetz nach unten gefunden und ist über die Heizungsteuerung wieder aus dem Gebäude ausgetreten.
Wie schon gesagt, gebrannt hat es zum Glück nicht. Natürlich waren aber alle elektrischen Geräte in den Wohnungen, die zum Zeitpunkt des Einschlags am Netz waren, zerstört, also alle Fernseher, Computer, HIFI-Anlagen, Kabelmodems etc.. Das betraf natürlich auch die Bürogeräte im Erdgeschoss, die bereits genannte Heizungsteuerung, einige Sicherungen und Leitungsschutzschalter sowie teilweise Kabel und Leitungen vom Stromnetz.
Das Haus befindet sich in keiner exponierten Lage, sondern steht mitten in einer gleich hohen Wohnbebauung. In der Nähe führt die elektrifizierte Eisenbahnstrecke Dresden – Chemnitz vorbei. Die Fahrleitungsmasten befinden sich auf einem Bahndamm und die Fahrleitung ist in diesem Bereich damit deutlich höher als die Dächer der umliegenden Wohnhäuser. Es gibt Theorien, nach denen der Blitz in die Fahrleitung hätte einschlagen müssen und nicht in ein Dach eines tiefer liegenden Wohnhauses. Der Blitz hat sich leider nicht an diese Theorie gehalten.
Geholfen hätte wirklich nur eine separate, komplette Blitzschutzanlage für das Gebäude. Die äußere Blitzschutzanlage verhindert die Entstehung von Bränden beim Direkteinschlag und teilt den Blitzstrom so auf, dass keine größere Schäden am Stromnetz entstehen. Durch Einbaugeräte für den inneren Blitzschutz können alle Leitungsnetze im Gebäude geschützt werden, ein Feinschutz in den Wohnungen und im Büro schützt die wertvollsten Geräte.
Und was kostete das? Für die gerade beschriebene Anlage müssen Sie mit Errichtungskosten von ca. 3.000 EUR (brutto) rechnen. Der mir bekannte Schaden am und im Gebäude beträgt bisher ca. 8.000,00 EUR (brutto). Die Blitzschutzanlage hätte sich also gerechnet.
Zu den Errichtungskosten müssen Sie ja auch noch die moralischen Schäden rechnen: Das Büro, dass einige Tage nicht arbeiten kann, weil Geräte defekt sind und Datenbestände wiederhergestellt werden müssen, der Arbeitslose der wochenlang nicht im Internet nach einer neuen Stelle suchen und keine Bewerbungen schreiben kann, weil sein Computer kaputt ist etc..
Sie meinen das bezahlt alles die Versicherung? Wen sie es macht, bleiben auf jeden Fall die moralischen Schäden. Der Arbeitslose in diesem Fall kann sich erst einen neuen Computer kaufen, wenn das Geld von der Versicherungen da ist. Auch bei schnellster Bearbeitung dauert das auf jeden Fall ein paar Wochen. Die Inhaber des Büros im Erdgeschoss waren nicht gegen Blitzschlag versichert. Sie wollten sparen und bezahlen nun alles selbst. Da Ihnen auch das Haus gehört, müssen sie auch für diese Schäden selbst aufkommen.
Da fällt mir gerade ein: Der Computer an dem ich gerade sitze, ist gar nicht an den Überspannungsschutz in meinem Büro angeschlossen .....
Also: Es gibt viel zu tun. Packen wir es an.

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